Aus der Chronik von Marlis Gande
Der Ausschnitt aus einer "Specification vom Jahr 1794", welche eine Beerdigungsabrechnung des Küsters und Lehrers Andreas Bedorff darstellt, macht klar, dass bereits Anno 1794 ein kirchlicher Gesangsverein in Neukirchen existiert haben muss. Aus verschiedenen Archivblättern geht hervor, dass Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts in Neukirchen ein Pfarrer N. Jansen amtierte, unter dessen Amtszeit ein gewisser Andreas Bedorff nach Neukirchen zog, um hier die Küster-, Organisten- und Lehrerstelle anzutreten. A. Bedorff hatte als Lehrer so die Möglichkeit, Schüler für die Kirchenmusik zu gewinnen. Dieses System funktionierte so lange, bis unter der napoleonischen Herrschaft sämtliche kirchliche Vereine verboten wurden. Belegt ist, dass es Chorsänger gegen Bezahlung gab, aber es keine fest organisierte Gemeinschaft gab.
Im Jahre 1858 wurde an die II. Lehrstelle ein qualifizierter Lehrer angestellt, Herr Johann Perrez, der im Jahre 1862 an Schwindsucht erkrankte und in seiner Heimatstadt Recklinghausen starb. Derselbe gründete hierselbst einen Männer- und Gesangsverein zur Pflege des Kirchengesanges und zur geselligen Erheiterung und Bildung, der einige Unterbrechungen abgerechnet, noch besteht (Auszug aus der Schulchronik).
Dass viele Kirchenchöre ihre Gründungszeit auf das Jahr 1868 zurückführen, liegt daran, dass im Jahre 1868 der "Allgemeine deutsche Cäcilienverband" gegründet wurde, dieses Datum galt bis vor zwei Jahren als das Gründungsjahr des Kirchenchores in Neukirchen.
Leider gibt es so gut wie keine Belege für Auftritte in den Gründerjahren. Erst die "Lebensgeschichte und Erlebnisse im Priesterstande während 60 Jahren" des Pastors Heinrich Bommers (von 1817 bis 1877) lässt den Leser viel von jener turbulenten Zeit erahnen. Während seiner Amtszeit wurde im Jahr 1873 " eine neue Küsterwohnung mit einem Sitzungssaale für den Kirchenvorstand und einer Paramenten - Kammer erbaut (...), weshalb diese beiden Räume nicht für den Gebrauch des Küsters bestimmt, sondern ihm ausdrücklich vorenthalten sind "
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In diesem Haus wohnte der Küster bis Mitte des 20. Jh. Dort wurden ebenfalls mit Harmoniumbegleitung die Chorproben abgehalten. Über die Chorleiter in der Gründungszeit, die ja im eigentlichen Sinne "Wiedergründungszeit" heißen müßte, liest man in der Neukirchener Pfarrchronik: Am 15. 1.1908 trägt der damalige Pastor Dr. Ignaz Schmitz ein:
"Mit dem neuen Jahr hat sich auch ein Wechsel in dem Küster- und Organistenamt vollzogen. Gestern verließ der bisherige Küster und Organist Gerhard Helten den hiesigen Ort (mit seinem Vater), um die, wie er glaubt, bessere Stelle bei Flittard bei Mülheim-Rhein anzutreten. Ober 36 Jahre hat die Familie Helten die Küsterstelle versehen, zuerst Johann Helten, der am 1.10.1871 den damaligen Küster, Organist und Lehrer M. Andreas Bedorff (einem Nachfahren des oben genannten Küsters) im Küsteramte folgte, während Lehrer J. Hahn den Organistenposten übernahm, dann später der Sohn Gerhard Helten (geb. 18.8. 1883 zu Neukirchen), der seit seiner Entlassung aus dem Gregoriushause zu Aachen, im Herbst 1903 zunächst den Vater vertrat und 1.7.1906 kurz vor seiner Verheiratung dessen Nachfolger wurde. Da er am 1. 1. 1904 auch Nachfolger des hiesigen Organisten J. Hahn geworden war, so vereinigte es jetzt wieder beide Ämter in einer Hand. (...) Zu seinem Nachfolger hat der Kirchenvorstand in der Sitzung vom 20.12.1907 den bisherigen Küster und Organisten von Büsdorf bei Stommeln erkoren.


