Die Orgel in unserer Kirche
Zu unserer Orgel konnten wir folgenden Beitrag im 5. Band zur Geschichte der Stadt Grevenbroich finden :
" Neukirchen, Kath. Pfarrkirche St. Jakobus
Um 1800 ist eine Orgel nachzuweisen, die 1832 eine "Reperatur und Umwendung" erfährt, für die das Budget 50 Taler als "Außergewöhnliche Ausgabe" verbucht. Einen neuen Anstrich erhält sie 1838 oder wenig später. In den Jahren 1847/48, nach der Erweiterung der Kirche und dem Neubau des Turmes, fallen erneut Kosten in Höhe von insgesamt 85 Talern für "Reparaturen an der Orgel bei Aufstellung derselben im neuen Anbaue" an.
Einer Eingabe des Kirchenvorstandes vom 27. Aug. 1854 zufolge ist beabsichtigt, die Orgel zu vergrößern, " weil dieselbe in ihrem jetzigen Zustande als zu dürftig und theils unzweckmäßig erkannt wird;
denn sie besteht aus folg. Registern:
| 1. | Praestant |
| 2. | Bourdon oder Hohlpfeife |
| 3. | Gamba |
| 4. | Quint |
| 5. | Flaut |
| 6. | Fleutravers Discant |
| 7. | Octave |
| 8. | Mixtur |
| 9. | Clarinette Discant |
| 10. | Cromhorn Bass |
Die Kirche ist circa 86 Fuß lang 40 breit und 25 Fuß hoch".
Zu diesem Zweck holt man von zwei Orgelbauern Angebote ein und legt sie Pfarrer Stapper aus Kückhoven .,als bewährtern Kenner der Orgelbauerkunst" zur Stellungnahme vor. Dieser entscheidet sich für den Plan des Heinsberger Orgelbauers Joseph Koulen, der die Vergrößerung für 117 Taler ausführen will. Die Genehmigung durch das Kölner Generalvikariat erfolgt am 4. Sept. 1854, sofern "die Kirche die dazu erforderlichen und disponibelen Mittel besitzt".
Gerade aber das scheint auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein, wie ein Predigtentwurf des damaligen Pfarrers ahnen läßt:
Einladung zu freiwilligen Beiträgen für die Verbeßerung der hiesigen Kirchenorgel:
Vielgeliebte Pfarrgenossen !
Der Zeitpunkt ist nun gekommen, wo die im vorigen Jahre wegen des Kirchbaus weggenommene Orgel wieder aufgestellt werden soll. Es ist aber schon längst der allgemeine Wunsch der Pfarrgenossen gewesen, daß unsere Orgel verbeßert werden möge und dieser Wunsch muß jetzt gewiß noch großer seyn, da die Orgel in dem neuen Theil der vergrößerten Kirche wieder aufgestellt werden soll. ...
Da aber die Kirchenkasse welche durch ihren jährlichen Beitrag zur Deckung der Baukosten erschöpft ist, hierzu nichts leisten kann, so bleibt nichts andres übrig als durch freiwillige Beiträge die erforderliche Summe zusammenzubringen. ...
Die Disposition scheint bei dem 1855 durchgeführten Wiederaufbau der Orgel nur geringfügig verändert worden zu sein; denn nach einer späteren Auflistung der Stimmen ist nur die Zungenstimme (Klarinette / Krummhorn) durch eine achtfüßige Trompete B/D ersetzt worden.
Zwischen 1864 und 1866 lassen sich weitere Maßnahmen zur Erhaltung der Orgel belegen, die im "Budget pro 1866" mit 78 Taler 25 Silbergroschen als Gesamtbetrag angegeben werden.
1896 hat Josef Köpp, Grevenbroich, eine "Kostenberechnung über ein neues Pumpgebläse. Versetzung. Vergrößerung, Reinigung. Reparatur, Intonation und Stimmung der Orgel" ausgearbeitet und darin die vorgefundene Disposition festgehalten (s. 0.). Er beabsichtigt, das Klangspektrum grundtöniger zu gestalten, indem er den vierfüßigen Prinzipal zu einem achtfüßigen erweitert, eine Aeoline 8' an die Stelle der Quinte 22/3' setzt, die Oktave 2' zu einer vierfüßigen umstellt und die Mixtur mit Hilfe der wegfallenden Pfeifen zu einem Cornett umgestaltet. Außerdem sieht Köpp ein selbständiges Pedal mit Subbaß 16' und Prinzipalbaß 8' (25 Töne) auf einer pneumatischen Lade vor.
Die Ausführung dieses Planes scheint wenig später verwirklicht worden zu sein; denn die von Köpp vorgeschlagenen Änderungen lassen sich, wenn auch leicht modifiziert, im Zusammenhang mit dem nach- folgenden Orgelneubau nachweisen.
Nur wenige Jahre danach wird die Kirche einer umfangreichen Restaurierung unterzogen, die 1903 mit dem Einbau einer neuen Orgelbühne, die bisher "aus Mangel an Mitteln unberücksichtigt geblieben", ihren Abschluss findet. Nach Fertigstellung der neuen Empore zeigt sich, dass "nunmehr das Bedürfniß einer neuen Orgel unabweisbar geworden ist". Am 21. September 1903 unterbreitet der Kirchenvorstand dem Generalvikariat den Entwurf zu einer neuen Orgel, der auf den Orgelbauer Johannes Klais, Bonn, zurückgeht.
Disposition und Kostenanschlag über Erbauung einer neuen Orgel unter teilweiser Benutzung von vorhandenen guten Pfeifen für die kath. Pfarrkirche in Neukirchen.
| No. | Holzpfeifen | Zinn | Register | |
| 1 Manual C - f" | 54 Tasten | |||
| 1 | 5 | 49 | Principal 8' |
Von 14 u. 12löth. Zinn, neu im Prospect (C-E 5 Pfeifen alt) ... Int: Markig, voll und fest |
| 2 | 38 | 18 | 18 Flaut major 8' |
Von Holz und 12 1öt. Zinn 24 Pfeifen alt. ... Int: Füllend und rund |
| 3 | 54 | Viola da Gamba 8' |
Von 12 1öt. Zinn vorhanden C-H neu in Zinn und Zink Int: Sonor streichend. .. |
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| 4 | 54 | Oktave 4' |
Von 14 u. 12 löt. Zinn, neu teils im Prospect Int: dem Prinzipal entsprechend |
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| 5 | 192 | Mixtur - Cornet 3- u. 4fach |
Von 12 löt. Zinn, 54 Pfeifen 2' alt, 4',2 2/3',2', 1 3/5'. Int: Füllend und erfrischend. .. |
|
| 6 | 54 | Trompete 8' |
Aufschlagendes Zungenwerk. Zungen, Kehlen, Krücken von Phosphorbronce, Schallbecher und Stiefel von Zink und Zinn. Int: Hornartig & festlich. .. |
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| II. Manual c - f" | 54 Tasten | |||
| 7 | 12 | 42 | Geig. Principal 8' |
neu, von 12 löth. Zinn, C-H von Holz Int: Mittelstark und sympathischer Strich |
| 8 | 54 | Saliconal 8' |
Von 12 löt. Zinn vorhanden C-H 12 pfeifen neu von Zinn u. Zink Int: Mild und sanft |
|
| 9 | 24 | 30 | Liebl. Gedackt 8' |
Von Holz und 12 löt. Zinn 24 Pfeifen vorhanden Int: Mild und flötenartig füllend |
| 10 | 54 | Flauto traverso 4' |
Von Holz vorhanden. Int: Orchesterflötenartig Pedal C-d' 27 Tasten |
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| 11 | 27 | Subbaß 16' | Von Holz ganz vorhanden - Int.: Fest und voll | |
| 12 | 27 | Violon 8' | Von Holz ganz vorhanden - Int.: Oktavbaßartig mit Strich Nebenregister |
Nebenregister:
| 13 | Manualkoppel II an I |
| 14 | Pedalkoppel I Manual |
| 15 | Pedalkoppel II Manual |
| 16 | Suboctavkoppel II an I |
Combinationsdruckknöpfe
| 1 | Tutti |
| 2 | Forte |
| 3 | Mezzoforte |
| 4 | Piano |
| 5 | Auslöser |
| 6 | Piano im Pedal |
Sonstige Bestandteile
| 1 | Freistehender Spieltisch mit Rolldeckel in Eiche |
| 2 | Organistenbank |
| 3 | 2 Manualklaviaturen |
| 4 | 1 Pedalklaviatur |
| 5 | Magazingebläse mit Doppelpumpe im Turm erhöht gelagert |
| 6 | Pneumatische Rohrtractur zur Verbindung von Spieltisch und Vorgelege |
| 7 | Windladen für 12 Register, pneumatische Kegellade und Vorgelege |
| 8 | Lager, Raster, Pfeifenstöcke |
| 9 | Kanalanlage mit Stoßbälgen |
| 10 | Intonation der Register |
| 11 | Transport der wieder zu verwendenden Teile nach Bonn, Verpackung und Transport der Orgel bis Station Norf |
| 12 |
Aufstellen des Werkes in der Kirche bei freier Gestellung einer Beihilfe einschl. der Reisen und Kost und Logis für die Monteure, Rücktransport des Packzeuges. Es kommt hinzu : Ein Orgelgehäuse in Eichenholz, übergebaut mit Durchgang und Seiten in Pitschpine - Preis einschl. der Kosten für Anlage, etwa stummen Prospektpfeifen, Transport und Aufstellung (Skizze 5. Aug. 1903). Endsumme 3800 Mark Dreitausend achthundert Mark . Bonn, 5. Aug. 1903 Johannes Klais Orgelbaumeister |
Ergänzend dazu teilt Klais am 24. Aug. d. J. mit, daß er nicht wie vorgesehen die alten Pfeifen des Salizional 8' gebrauchen kann, und er fügt noch hinzu:
Bei solchen Umbauten fällt man immer in etwa herein, sämtliche alt Pfeifen sind schon eingeschmolzen und legirt der Zinngehalt ist sehr gering kaum 10%. Nun bekommen Sie die Trompete 8' ganz gratis und muss auch noch event. eine neue Flöte 4' gratis anfertigen, darum soll das Werk doch in jeder Hinsicht tadellos werden und Nachrechnungen nicht erfolgen.
Nachdem Anfang Oktober 1903 die Genehmigung erteilt worden ist berichtet Klais schon am 15. Okt., daß die Orgel fertiggestellt ist und in den nächsten Tagen in Neukirchen aufgestellt werden soll.
Zu Beginn des folgenden Jahres wird festgestellt, "daß sich an dem ..Werke etliche Fehler bemerkbar gemacht haben". Klais bemerkt dazu am 1. März 1904: ...dieses durfte nicht vorkommen und ist eine Seltenheit in meinen Werken, hier kann nur die Schuld den Monteuren zugeschoben werden diese haben nicht mit der nöthigen Aufmerksamkeit gearbeitet, anders kann es nicht sein, wenn es auch Kleinigkeiten sind stören sie doch immer und werde recht bald abhelfen. ...
Das Orgelwerk ist unverändert erhalten geblieben, inzwischen aber recht altersschwach. Da pneumatisch gesteuerte Instrumente mittlerweile zu einer Seltenheit geworden sind, wäre es wünschenswert, bei einer anstehenden Restaurierung den Originalzustand von Disposition und Traktur zu belassen."
(Quelle: Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich (Band 5), Seite 112 - 117,Grevenbroich 1983)